Kennst Du das Gefühl, wenn Du etwas sagen möchtest — und es dann doch nicht tust? Wenn Du Dich zurückziehst, obwohl ein Teil von Dir nach vorne drängt? Ich kenne es sehr gut. Und ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, was hinter diesem Zögern steckt. Angst gibt uns eine trügerische Sicherheit — sie hält uns dort, wo wir uns auskennen. Wir vermeiden Situationen, die ein unangenehmes Ergebnis bringen könnten. Wir bleiben lieber stehen und sehen zu, wie andere Menschen scheinbar Angstfrei und mit Selbstvertrauen durchs Leben gehen.
Wie gehe ich mit Angst um? Angst ist kein Feind. Angst ist kein Signal zum Rückzug. Angst ist eine Einladung etwas zu tun. Ich stelle mich der Angst, ich erweitere meine Komfortzone, ich wachse wegen der Angst.
Alles außerhalb meiner Komfortzone versetzt mich in Stress, Angst und Panik. Und genau darum geht es: Wenn ich mich diesen angstbesetzten Themen stelle, dann nehme ich sie in meine Komfortzone auf und vergrößere sie dadurch. Ich werde angstfreier, weil ich die Angst akzeptiere, mich ihr bewusst stelle und sie als Teil meines Selbst annehme.
Fast mein ganzes Leben lang hatte ich Bedenken, anderen Menschen meine Meinung zu sagen. Ihnen zu sagen wie ich mich fühle, was ich mir wünsche, was mich bewegt. Unbewusst habe ich Situationen vermieden, in denen ich verletzt werden könnte. Situationen, die meine tiefsten Ängste bestätigen könnten: nicht gut genug zu sein, wertlos zu sein.
Deshalb habe ich andere bestätigt, auch wenn ich mit deren Meinungen und Verhalten nicht einverstanden war. Ich habe meinen Ängsten nachgegeben. Bis zu dem Moment, als das Fass überlief. Plötzlich war ich einfach ich selbst, ohne Nachdenken, ohne Vorbereitung, ohne Strategie. Ich sagte, was in mir steckte, was mir wichtig war, was mich ärgerte, was ich nicht verstand. Und das hat sehr gut getan.
Die Angstthemen stecken immer noch in mir, aber sie sind jetzt Teil meiner Komfortzone. Es fühlt sich immer noch zum davonlaufen an. Es ist immer noch herausfordernd, etwas zu tun, was ich nicht tun möchte. Aber ich nehme jetzt die Angst als Antrieb, als Zeichen, dass ich gerade an einer Stelle stehe, an der Wachstum möglich ist.
Angst zeigt Dir genau, wo Dein nächstes Wachstum wartet. Nicht als Warnung, sondern als Wegweiser. Und irgendwann kommt er — der Aha-Moment, in dem ich verstehe, warum ich diese Ängste habe. Nicht durch Nachdenken allein, sondern weil ich mich ihnen immer wieder gestellt habe.
Die Komfortzone ist kein fixer Raum. Sie ist ein lebendiger Bereich, der wächst, sobald Du bereit bist, sie zu verlassen und zu erkunden, was Du alles erreichen kannst, wenn Du Deine Ängste annimmst.

Wenn dich dieses Thema bewegt, habe ich meine Erfahrungen und Methoden in meinem Buch Angst annehmen ausführlich beschrieben — für alle, die bereit sind, ihre Komfortzone bewusst zu erweitern.

